12. August 2018

Rezension Der letzte Stern

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Titel: The Last Star
Autor: Rick Yancey
Übersetzer: Thomas Bauer 
Verlag: Putnam
Seiten: 384
Erstveröffentlichung:
24.5.2016 (Eng)
Preis: 16,99€ (De, HC)
Bewertung: (3/5) 📜📜📜

über den Autoren: Er ist in Florida geboren und aufgewachsen und fing schon früh an zu schreiben. Er studierte Englisch und Kommunikation, dann war er als Lehrer und Schauspieler tätig. Heute lebt er als Autor zusammen mit seiner Frau und seinem jüngsten Sohn in Florida.

Inhalt:

(Spoilerwarnung, lest zuerst die ersten zwei Bücher!)
Endlich kommt der Frühling und mit ihm Hoffnung. Cassie und die anderen müssen nun endlich die Anderen besiegen, harte Arbeit die vor ihnen liegt.
Nur langsam kann man sich nicht mehr sicher sein, wer überhaupt noch der Feind ist und wer nur ein weiteres Opfer der Anderen. Macht es überhaupt noch einen Unterschied?
Die 5. Welle kommt bald, und es bleibt nur eins: weiterkämpfen.

Lieblingszitat:

"So what's the difference between thinking and actually being it? Is there a difference?" (Seite 177, englische Ausgabe)

Meinung:

Story: Die Handlung beginnt im Frühling, ein paar Monate nach den Ereignissen des 2. Bandes. Nach dieser langen Zeit des Nichtstuns überschlagen sich die Erein´gnisse regelrecht, denn das Buch erstreckt sich gerademal über 4 Tage.
Wieder einmal wird eine weitere Schicht der Lüge entfernt, und diesmal ist es die wirkliche Wahrheit ...oder?
Die Spannung profitiert von dem Misstrauen, welches der Leser langsam in "Wahrheiten" steckt, klar. Doch dadurch flacht die Handlung auch ab.
Das Ende ist ein sehr kitschiger Abschluss der Reihe.
Charaktere: Atemberaubend ist für mich definitiv der enorme Bogen, den die Charaktere in ihrer Entwicklung machen.
Cassie als Metapher der Menschheit funktioniert außerdem erstaunlich gut.
Doch mit den Personen konnte man diesmal weniger mitfühlen als davor, und die Themen ihrer Gespräche waren nie wirklich originell, sondern wirkten wie eine Aneinanderreihung von Gesprächen anderer Dystopien...
Daher konnten mich die Charaktere nicht überzeugen, auch wenn Cassie durchaus mehr Tiefe bekommt.

Schreibstil/Lesefluss: Das Buch ist überraschend voll mit Flüchen. Vielleicht sind diese in der Übersetzung in den Vorgängern verloren gegangen und da ich nur diesen Teil im Original gelesen habe konnte ich sie nur da bemerken.
Das Buch ist als Art Tagebuch geschrieben, was vor allem bei Cassie deutlich wird. Es ist außerdem wieder aus verschiedenen Sichten geschrieben, leider konnte mich keine dieser diesmal wirklich mitreißen.
Doch der Schreibstil mach das Buch lesenswert, denn auch wenn es sich in den anderen Gebieten nicht im Mindesten heraustut, hier tut es das definitiv.
Er bringt die Charaktere auf seine ganz eigene, interessante Weise zum Leben.
Umgebung/Welt: Die Welt verändert sich in diesem Teil stark. Der Wandel unserer Sicht auf die Dinge ist dabei ziemlich ermüdent, denn der Trick "Hah! Es ist doch nicht so, sondern das genaue Gegenteil!" wird einfach immer und immer wieder verwendet und dabei langweilig.
Der Epilog gibt der Welt jedoch wieder einen neuen Touch, den ich sehr Willkommen heiße.
Wieder spielt das Buch auf zwei Ebenen: der Ebene der Realität und der der Metaphern.
Methaphern sind Rick yanceys liebster Freund und die Trilogie ist voll von ihnen. Das gefällt mir sehr, denn sie werden oft nicht direkt benannt und so kann der Leser auch zwischen den Zeilen etwas entdecken. Leider waren die Metaphern fast schon zuviel.
Fazit: Der Abschluss der Reihe hat ein zu schnelles Erzähltempo und wartet mit tausendfach schon verwendeten, nur recycleten Konzepten auf. Die Rettung des Buches ist der Schreibstil, der einer Art Tagebuch gleicht und daher auch gerne einmal vulgär wird. Das "wie ist es geschrieben" übertrumpft das "was wurde geschrieben" leider, dabei ist der Inhalt eines Buches doch gerade wichtig.
Von daher, eine weitere Dystopie, die man gerne lesen kann, aber wirklich nicht lesen muss.

5. August 2018

Rezension Spark - Die Elite 1

Titel: Spark - Light my Sky
Autor: Vivien Summer
Verlag: Carlsen Impress
Seiten: 379
Erstveröffentlichung:
21.3.2018 (De)
Preis: 7,99 € (De, TB)
Bewertung: (1/5) 📜

über die Autorin: Sie ist 1994 in Niedersachsen geboren und aufgewachsen. Bücher entdeckte sie erst spät für sich und schrieb dann während eines FSJ's ihre erste Trilogie.
Zur Zeit lebt sie in Hannover, wo sie neben dem Schreiben eine Ausbildung macht.

Inhalt:

Malia lebt in einer Zukunft, in der der Staat Kinder genmanipuliert, um sie zu Kriegern heranwachsen zu lassen. Doch die Chance, dass die Manipulation Erfolg hat, ist gering. Trotzdessen hat Malia Angst, zu den wenigen Auserwählten zu gehören, bei denensie glückt.
Leider trifft genau das ein und Malia wird zu einem Leben als Soldat verdammt, als welcher sie auch noch der High Society angehört. Und zu allem Überfluss wird sie von dem Frauenschwarm der Schule ausgebildet, der seltsam aufdringlich und trotzdem distanziert wirkt.
Ihr Leben steht Kopf.

Lieblingszitat:

">>Kannst du noch was anderes sagen? Außer nur Nein?<<
>>Nein.<<
>>Du bist ziemlich langweilig, weißt du das?<< [...]
>>Und du ziemlich aufdringlich.<<" (Seite 302)

Meinung:

Story: Die Handlung besteht aus einer längeren Einführung ist die Welt und ein Kennenlernen der Personen. Damit wird ein Grundstein für die nachfolgenden Teile gelegt, doch dadurch fehlt dem Buch auch an eigener Story. Es passiert gleichzeitig viel unübersichtlich und schnell. Vor allem das Training ist ungeplant und nicht durchdacht. Es wirkt insgesamt leider wie ein "Die Bestimmung 2.0" mit weinger investierter Arbeit in World- und Storybuilding.
Die Beziehung der Hauptpersonen steht klar im Vordergrund der Story, und ist auch ein großes Problem. Chris' Verhalten ist in hohem Maße problematisch.
Die Story der Reihe beginnt erst in den letzten Seiten, und bis da bleibt auch die Spannung weg.
Charaktere: Malia ist ein Mädchen ohne ein einziges Persönlichkeitsmerkmal. Einzig der Tod ihrer Schwester scheint ihr irgendetwas zu geben, doch sie bleibt das ganze Buch über ein flacher, langweiliger Charakter, in dem sich wohl möglichst viele Mädchen hineindenken können sollen. Ihre Gedanken ergeben keinerlei Sinn.
Chris' Verhalten scheint von Malias Verlangen gesteuert zu sein. Er handelt unlogisch und wiederspricht dabei sich selbst, was ihn äußerst unglaubwürdig macht. Außerdem wird sein rücksichtsloses, gruseliges Verhalten von Malia romantisiert. Ugh.
Andere Charaktere sind nette, manchmal wirklich ausgebaut wirkende Randfiguren, die keine wirkliche Bindung zum Leser aufbauen können.
Totaler Flop.
Schreibstil/Lesefluss: Ein paar Fehler im Ausdruck oder bei Grammatik, sind verzeihbar. Hier hatte ich leider den Eindruck, dass ein Lektor komplett gefehlt hat und man ein unfertiges Manuskript liest, statt ein fertiges Buch in der Hand zu haben.
Der Text war schlichtweg unangenehm zu lesen, da ich einfach nicht in die Story hineinkam und auch nicht in Charaktere hineinversetzen konnte. Ein Stil war erkennbar, und dieser war nicht mal schlecht. Leider ging auch dieser in schlechtem Ausdruck unter, wodurch ein negativer Gesamteindruck entsteht.
Umgebung/Welt: Der Lichtblick des Buches war das Weltkonzept.
Sie wird logisch, manchmal jedoch ungleichmäßig, aufgebaut und die Regeln die gesetzt werden, werden auch prinzipiell eingehalten. Dabei geht das Konzept auch angenehm in die Tiefe.
Klar, die Idee der Elemente ist nicht neu erfunden, doch die Umsetzung ist okay.
Was mich störte war die High Society. Warum soll man so sehr für die Mitglieder der Gesellschaft sorgen, die das höchste Todesrisiko haben?
Doch man merkt die Mühe, die sich in diesem Punkt gegeben wurde.

Fazit: In jedem Aspekt ist dieses Werk eher ein Manuskript als ein Buch. Es fehlt Feinschliff und Arbeit, und leider wirkt sich das sehr stark auf das Lesevergnügen aus.
Die Story hat auf alle Fälle viel Potenzial, nur ist sie in der Form einfach noch unfertig. Außerdem ist ein großer Kritikpunkt die Romantisierung von Chris' toxisch maskulinen, fast schon rapehaften Verhaltens.

29. Juli 2018

Rezension Verliere mich. Nicht.

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Titel: Verliere mich. Nicht.
Autor: Laura Kneidl
Verlag: LYX
Seiten: 468
Erstveröffentlichung:
26.1.2018 (De)
Preis: 12,90 € (De, Broschur)
Bewertung: (3/5) 📜📜📜

über die Autorin: Sie wurde 1990 in Bayern geboren, studierte in Stuttgart dann Bibliotheks- und Informationsmanagement.
2009 begann ihre Schreibkarriere, inspiriert von ihrer Lesebegeisterung. Sie liebt ihre Katzen über alles, auch wenn sie sie regelmäßig verlässt um Großbritannien unsicher zu machen.
"Verliere mich. Nicht." ist ihr drittes Print-Buch und das Ende der Geschichte um Sage und Luca.


Inhalt:

(Achtung, Spoilergefahr für die, die den 1. Teil nicht gelesen haben)
Sage leidet noch immer unter ihrer Entscheidung, sich von Luca zu trennen. Alan hat ihr Leben wieder komplett unter Kontrolle, und nur mühsam und mit unergiebiger Beharrlichkeit schafft sie es, diesen Rückschritt langsam zu verkraften. Doch ein Leben mit Luca, ist das überhaupt noch möglich?
Und als der nächste Rückschritt auf sie lauert, um ihr Leben wieder einnehmen zu können, ist sie stärker. Denn sie hat wundervolle Freunde, die ihr helfen, und einen Kampfgeist, der sie unglaubliches überwinden lassen kann.

Lieblingszitat:

"Meine Angst hatte mich immer genau wissen lassen, was zu tun war. [...] Heute wusste ich nicht mehr, was ich tun sollte, außer mich [...] verstecken aus Furcht davor, etwas Dummes zu tun." (Seite 164)

Meinung:

Story: Der zweite Teil knüpft direkt an den ersten Band an. Schmerz, Distanz und Trennung sind allumfassend spürbar, und wunderbar quälend langsam wird diese Lücke geschlossen, die Schmerzen gelindert. So erlebt man Sages Gefühle beim Lesen selbst mit, und das hebt das Buch auf ein sehr hohes Niveau.
Denn so ist es nicht nur ein Buch, sondern es erzählt lebendig von dem Gefühl, eine Angsterkrankung zu haben. Da ich selbst an einer solchen leide, freut mich diese Darstellung sehr, denn so wird es nachvollziehbar.
Doch ab einem genau benennbaren Punkt wird die Story absurd toll und utopisch, was ich aber klar dem Genre zuschreibe. Trotzdem eher meh.
Charaktere: Luca ist wieder perfekt, doch auch er hat Tiefe und ist mitunter sogar unperfekt.
Andere Charaktere sind gut ausgeglichen und gefallen mir, doch sie sind trotzdem klar "gut".
Die Einteilung in gut und Böse mit nur wenigen Zwischennuancen ist ein Schwachpunkt des Buches.
Sage dagegen ist meiner Meinung nach sehr ausgewogen mit ihrer kindlichen, trotzdem netten Art. Die fehlende Kommunikation zwischen beiden war mir im Übrigen nicht ganz schlüssig, doch sie hat zu Sage gepasst. Ich kann mir auch vorstellen, dass damit die Irrationalität von Angst deutlich werden soll, was dann gut gelungen ist.
Schreibstil/Lesefluss: Laura Kneidl steckt immer viel Arbeit in ihre Bücher, weshalb sie auch so wundervoll zu lesen sind. Vor allem konnte sie die Spannung das ganze Buch über halten, auch wenn die Auflösung nicht nach meinem Geschmack war.
Das Ende wirkte sogar etwas hektisch und hat nicht zum Gefühl des Buches gepasst.
Der Stimmungwechsel im ersten Band war dem im zweiten gegenteilig, was wieder von der Struktur zeugt, die im Buch steckt.
Umgebung/Welt: Der Großteil des Buches spielt wieder in Nevada, wo es den Figuren und dem Leser nicht langweilig wird. Auch die Wohnsituation Sages folgt dem des ersten Bandes (Notlösung-WG-Weg).Leider waren die letzten Schauplätze zu viel des Guten.
Dass Sage nach Hause zurückkehrt, hätte ich mir anders realisiert gewünscht, beispielsweise in einer Rückblende....

Fazit: Talent und Planung zeigen sich in diesem Buch deutlich und zusammen erschaffen sie ein geniales Buch über Angststörung verbunden mit New Adult.
Charaktere haben Tiefe und sind facettenreich,  doch eine Gut-Böse-Polarisierung dominiert die Charaktere trotzdessen deutlich. Die Spannung steigt zusammen mit dem Geschehen des Buches und dieser Teil ist ein schönes Leseerlebnis, da es den Leser aktiv an Sages Gefühlen teilhaben lässt.
Lediglich das Ende passt nicht zur  sonstigen Story, doch ein utopisches passt wohl ins Genre. 

22. Juli 2018

Rezension Berühre mich. Nicht.

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Titel: Berühre mich. Nicht.
Autor: Laura Kneidl
Verlag: LYX
Seiten: 464
Erstveröffentlichung:
26.10.2017 (De)
Preis: 12,90 € (De, Broschur)
Bewertung: (3/5) 📜📜📜

über die Autorin: Sie wurde 1990 in Bayern geboren, studierte in Stuttgart dann Bibliotheks- und Informationsmanagement.
2009 begann ihre Schreibkarriere, inspiriert von ihrer Lesebegeisterung. Sie liebt ihre Katzen über alles, auch wenn sie sie regelmäßig verlässt um Großbritannien unsicher zu machen.
"Berühre mich. Nicht." ist ihr zweites Print-Buch und der Anfang der Geschichte um Sage und Luca.

Inhalt:

Sage ist ein Mädchen voller Mut. Sie beginnt ihr Studium in Nevada weit weg von Zuhause, ohne Hilfe oder Freunde dort. Das einzige, was sie mitnimmt, ist ihr Transporter und die wichtigsten Dinge. Und ihre Angst.
Die, der sie eigentlich entkommen wollte, doch Dämonen verschwinden nicht einfach. Sage muss sich dieser Angst stellen, und ihr Mut wird vor allem von Luca auf die Probe gestellt. Dem Mann, mit den sie zusammen arbeiten muss, und der gleichzeitig für alles steht, vor dem sie sich fürchtet.

Lieblingszitat:

"[...] ich musste der Sache eine Chance geben. Anderenfalls würde meine Angst gewinnen, und ich durfte nicht zulassen, dass meine Vergangenheit meine Zukunft boykottierte." (Seite 40)

Meinung:

Story: Geschichte baut vom Jetzt, in dem sie sich
befindet langsam immer wieder Brücken zu ihrer Vergangenheit. So lernt man das Mädchen Stück
für Stück kennen. Luca und April sind dabei entscheidende Akteure und die Handlung baut
durch die Freundschaft zu ihnen auch Emotionen und Spannung auf. Die letzten Seiten sind dann der große Wendepunkt, der viel Drama birgt und definitiv nicht rational ist. Ob das gewollt war oder nicht, kann ich nicht sagen.


Charaktere: Sage ist ein sehr emotionaler Charakter, mit dem man auch das ganze Buch über mitfühlt. Sie hat eine süße und offene Art und ist unglaublich stark, doch diese Stärke hat ihren Preis. Sie ist sehr positiv, wenn man von ihrem impulsiven Charakter absieht.
Auch andere Charaktere sind herzensgut und das einzig schlechte scheint die Angst von Sage zu sein. Die Charaktere sind definitiv facettenreich, aber sehr idealistisch gehalten. Ein paar Kurven hier und da... wären nach meinem Geschmack gewesen.
Schreibstil/Lesefluss: Laura Kneidl überrascht mich mit dem etwas komischen Schreibstil in diesem Buch. Ihre Beschreibungen der Panik und der dunklen Momente waren dann jedoch überzeugend und ich konnte mich gut einlesen, auch wenn die Liebesszenen etwas viel waren.
Bei Light & Darkness von ihr war der Schreibstil schon anders. Nicht, dass sie schlecht schreibt!
Umgebung/Welt: Das Buch spielt in Nevada, also USA. Die Orte wirken ziemlich unverbunden und einzeln, doch sie sind schön gestaltet und beschwören Stimmung herauf.
Die Verzerrung der Welt, die Angst zur Folge hat, ist bei Sages Empfinden dargestellt und damit wird auch auf scheinbar kleinere Details geachtet.

Fazit: Dieser Roman versteht sein Thema. Es ist der rote Faden der Geschichte und auch sonst überall erkennbar, doch es gibt auch mehr, was das Buch zu sagen hat.
Laura Kneidl hat mit diesem Buch klar bewiesen, dass Liebesromane mehr als Klischee sein können. Sie geht offen mit schweren Themen um und bringt so zum Nachdenken. Dabei flacht sie nicht ab, und das Drama ist wohl dem Genre geschuldet, genauso wie der absolute Traumboy Luca, der wohl beste und idealste Bookish-Bf ever.

18. Juli 2018

Warum "Love, Simon" so wichtig für mich ist


"Love, Simon" ist ein Film, der viele berührt hat. Seine offene, witzige Art zusammen mit dem großen Thema "Outing" machen ihn besonders, doch vor allem ist er der erste Highschool Film mit einem schwulen Hauptcharakter.
Der Film basiert auf dem Buch "Nur drei Worte" von Becky Albertalli, im Original "Simon vs. the Homosapiens Agenda". Dieser kam in Deutschland erst kürzlich ins Kino, und meine Rezension zum Buch und Film findet ihr auch auf meinem Blog.

Doch in diesem Post geht es nicht darum, das Buch oder den Film zu bewerten. Ich will euch heute etwas sagen, was ich mithilfe dieses Buches realisiert habe.
Ich bin kein Mädchen. Auch kein Junge. Ich bin Neutrois, "Geschlechtsneutral".
Irgendwie war mir das schon immer klar, nur habe ich nie den Mut gehabt, mir das selbst einzugestehen. "Love, Simon" hat mir aber nicht nur Mut für dieses Outing gegeben, es hat mir erst einmal gezeigt, dass ich es bin. Und das, obwohl die Geschlechterrollen im Buch nicht mal in Frage gestellt werden. Ich habe das Buch einfach gelesen und genossen. Irgendwann ist mir immer bewusster geworden, dass die Worte, die Simon sagt, denkt und schreibt mehr an sich haben, als nur die Bedeutung, die sie haben.

 Irgendwann hab ich dann verstanden, was es ist. Ich kann es nicht ganz erklären, aber das Buch hat mir geholfen, mich selbst zu verstehen. Die Geschichte zwischen Simon und Blue war anders als all die Hetero-Liebesgeschichten, die ich bisher las. Und das hat mich zum Nachdenken gebracht. Ich habe gemerkt, dass die Rolle des Mädchens in der Liebesgeschichte mich nie wirklich ansprach, die von Simon aber sehr. Ich mag Jungs, Simon mag Jungs. Und er war kein Mädchen.
Doch ein Junge...Das bin ich auch nicht ganz. Was bin ich also? Dazwischen? Nicht auf der Skala zu finden? Meine Antwort, mit der ich mich auch sehr wohl fühle, ist: Ich bin Non-Binary oder Neutrois.

Diese Erkenntnis kommt wahrscheinlich jedoch nicht nur von diesem einen Buch, sondern vielen zusammen. Diesen Monat habe ich vor allem Bücher gelesen, die sich sehr ausfühlich mit dem Thema Geschlecht auseinandergesetzt haben, die wohl auch einen großen Teil zu diesem Outing beitragen.
Das erste Buch welches ich dabei nennen will ist "None of the Above". Es ist ein Buch über Intersexualität, welches ich nur empfehlen kann, da es das Thema offen und echt behandelt. Als zweites nenne ich noch "Letztendlich sind wir dem Universum egal" ("Every Day" in der Originalausgabe), bei dem ich auch den Film gesehen habe. Dieses Buch setzt sich ganz konkret mit dem Thema Geschlecht auseinander, denn der Protagonist ist eine Seele ohne wirkliches Geschlecht. Die Rezensionen zu diesen Büchern/Filmen werden diesen Monat folgen.

Jetzt kurz noch eine kleine Erklärung, was Neutrois überhaupt in meinem Fall bedeutet. Ich fühle mich in meinem weiblichen Körper nicht fehl. Aber ich fühle mich bis auf die körperlichen Merkmale nicht immer weiblich. Ich habe feminine Tage und trage auch mal ein Kleid, aber gleichzeitig hab ich maskuline Tage und Tage in denen weder noch meinem Gefühl entspricht. Der Begriff Neutrois ist daher für mich passend, eben so wie der Begriff Non-Binary (nicht-binär=nicht genau männlich/weiblich), der aber eher als Sammelbegriff aufgefasst wird.
Ich möchte meine Pronomen (sie) außerdem behalten, einfach weil ich sie gewohnt bin.
Wenn ihr Fragen zum Thema, oder auch Erfahrungen/andere Worte zu diesem Thema habt, schreibt gerne einen Kommentar.

Mia

15. Juli 2018

Rezension Eine wie Alaska (+ Vergleich französische Übersetzung)

Titel: Eine wie Alaska
Französischer Titel: Qui est-tu Alaska?
Originaltitel: Looking for Alaska
Autor: John Green
Übersetzer: Sophie Zeitz
Verlag: dtv
Seiten: 300
Erstveröffentlichung:
3.3.2005 (Eng)
2007 (De)
17.3.2011 (Frz)
Preis: 9,95 € (De, TB)
Bewertung: (4/5) 📜📜📜📜

über den Autoren: John Green ist 1977 in Indiana geboren, studierte englische Literatur und Religion und ist als Autor tätig. Seine Bücher, unter anderem "Das Schicksal ist ein mieser Verräter", wurden mehrfach ausgezeichnet.
Außerdem ist er Blogger gemeinsam mit seinem Bruder Hank Green. Er hat eine Frau und zwei Kinder.

Inhalt:

Miles ist normal, langweilig, allein.
Doch er will sein Leben ändern, und dafür zieht er in ein Internat, wo er das "Große Vielleicht" sucht.
Im Internat lernt er tatsächlich neue Freunde kennen, eigentlich die ersten Freunde überhaupt. Und er erlebt Abenteuer, wie er es sich gewünscht hat. Doch er muss auch lernen, Freunde loszulassen, auch wenn das unmöglich scheint.

Lieblingszitat:

"[...] die Vorstellung dieser Zukunft hält dich am Laufen, aber am Ende tust du es nie. Du hast die Zukunft einfach nur benutzt um aus der Vergangenheit zu fliehen." (Seite 76)

Meinung:

Story:Das Buch beginnt in den Kapitelüberschriften mit einem Countdown, der die erste Spannung aufbaut. "50 Tage davor" sind es anfangs. Und die Story beginnt, ruhig und interessant. Miles und seine Freunde erleben Abenteuer, sind frei und haben Spaß.
Und dann ist der Tag gekommen, auf den man wartete.Und den man nie erwartet hätte.
Dann muss man mit dem Verlust fertig werden und dieser Teil hatte seinen Sinn, ganz klar.
Nur war es teilweise ziemlich langweilig und das Ende hat gar keinen Spaß mehr gemacht.
Charaktere: Alaska war mehr als eine Figur, und die anderen Charaktere sind auch viel mehr als nur das. Man fühlt mit ihnen, denn sie treffen den Geist der Jungend denke ich ganz gut. Und jeder regt zum Nachdenken an, auf seine Weise.
Die Charaktere sind individuell stark
unterschiedlich und haben eine ganz John-Green-typische Art. Man muss sie mögen, wirklich.




Schreibstil/Lesefluss: Er schreibt wie als wären seine Worte Gedanken. Er erreicht ein großes Publikum mit seinen Worten, und schafft es, dass sie trotzdem so klingen, als wären sie für genau den einen Leser der du bist.
Manchmal ist die Spannung weg und keiner schien irgendwas zu tun... schade.



Umgebung/Welt: Das Buch spielt in Culver Creek, einem Internat in Alabama. Dieses ist dem Internat nachempfunden, auf das John green ging und damit hatte es einen Charme, der für den Autor wohl verständlicher ist als er für den Leser ist. Es war nicht schlecht, eigentlich ziemlich gut. Doch
manchmal fühlte ich mich, als würde ich etwas Wichtiges verpassen, was nur der Autor wissen kann.

Fazit: Eine wie Alaska ist ein Debütroma, der viele begeistert, so auch mich. Es basiert auf dem Leben des Autors und beschäftigt sich mit Teenieproblemen/-gedanken. Man sollte seine Art mögen, doch gerade all diese verrückten Dinge im Buch machen es so süß und vielleicht auch so ruhmvoll.

Vergleich mit der französischen Übersetzung: Die französische Ausgabe ist gut 100 Seiten kürzer. Sie gibt einen natürlichen Einblick in die französische Sprache, und ist deshalb auch ziemlich anspruchsvoll für mich gewesen.
Der Vergleich der zwei Übersetzungen und in dem Sinne auch Interpretationen des Originals war ziemich interessant und ich muss sagen die französische Ausgabe hat mit besser gefallen. Sie war etwas anders und die Übersetzung manchmal einleuchtender.

11. Juli 2018

Filmrezension Letztendlich sind wir dem Universum egal (Film)

Bildergebnis für every day movie
Filmcover
von https://www.clickthecity.com/movies/detail/4p0YUq/every-day
Titel: Letztendlich sind wir dem Universum egal
Originaltitel: Every Day
Titel der Buchvorlage: Every Day (David Levithan)
Drehbuch: Jesse Andrews
FSK: 6 Jahre
Dauer: 100 Minuten (1 Stunde 40 Minuten)
Premiere: 31.5.2018 (De)
Bewertung: (4/5) 📜📜📜📜

Inhalt:

(Spoilerwarnung. Es können Spoiler enthalten sein, ich versuche jedoch, spoilerfrei zu schreiben. Schwarz gemachtes markiert eindeutige Spoiler und diese können durch markieren des Textes gelesen werden.)
Rhiannon verliebt sich in A. A ist jedoch kein normaler Junge, A ist ein Wesen, welches jeden Tag in einem anderen Körper lebt. Rhiannon ist der erste Mensch, den die Seele in ihrem Leben behalten will, und sie will an ihr festhalten. Diese Liebe, die A zuvor noch nie spürte, und dieses Wesen, von dem Rhiannon noch nie gehört hat. Beide faszinieren einander, doch As Leben bringt auch Schwierigkeiten mit sich...

Meinung:


Story: Der Film setzt die Story des zweiten Bandes um. Dieser hat zwar denselben Plot, ist jedoch erzählt aus Rhiannons Sicht. Diese Erzählweise nimmt die Magie des ersten Buches etwas, welches aus As Sicht geschrieben wurde. Doch trotzdessen ist die Geschichte magisch und wundervoll erzählt.
Der Fokus liegt auf der Liebesbeziehung, die definitiv nicht besser umgesetzt werden konnte. Doch ein wichtiger Teil, der der Moralität davon, in einem Körper zu bleiben, hat zu großen Teilen gefehlt, was ich sehr bedauere. Auch die geänderte Umsetzung einiger Stellen hat mir nicht zugesagt, besonders As "länger bleiben" in einem Körper.
Charaktere: Besonders im Mittelpunkt stehen die Hauptpersonen und ihre einzigartige Beziehung.
Die Beziehung sorgt für eine natürliche, angenehme Charakterentwicklung beiderseits.
A ist faccettenreich, all die Charaktere die ihn verkörpern hindern ihn jedoch nicht an einer eigenen Persönlichkeit.
A ist, wie auch Rhiannon, perfekt, ohne wirklich schlechte Seiten, und das ist tatsächlich nicht positiv (in meinen Augen). Mit einer ausgewogenen Persönlichkeit würden sie kein Idealbild sein, sondern realer.
Neben den Hauptfiguren gibt es leider keine wirklich bedeutenden Nebencharaktere.
Filmische Darstellung: Die vielen Schauspieler, die A verkörpern, vermitteln trotz allem, dass sie eine konstante, wiedererkennbare Persönlichkeit spielen.
Die Story wurde stark romantisch eingefärbt und so ist viel Gutes aus der Vorlage leider verloren gegangen.
Fazit: Every Day ist ein wundervoll romantischer Film, der jedoch einige wichtige Elemente der Vorlage nicht umsetzt und so die Geschichte an der Oberfläche belässt. Durch Rhiannons Erzählsicht wird die Geschichte ebenfalls verändert, und die Magie kann nicht ganz ausgeschöpft werden